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      „Coronavirus disease 2019“ Translated title: Coronavirus disease 2019

      , 1 , , 2

      Monatsschrift Kinderheilkunde

      Springer Medizin

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          Abstract

          Der erste positive Fall einer Infektion mit dem „severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2“ (SARS-CoV-2) wurde in Deutschland am 27.01.2020 registriert, in Österreich fast einen Monat später am 25.02.2020. Seither hat sich fast alles verändert. Neben der Einschränkung unseres Privatlebens durch Lockdowns und andere Maßnahmen hat sich auch unser beruflicher Alltag massiv gewandelt. Und obwohl wir (insbesondere auch durch den starken Rückgang von Infektionskrankheiten) seit einem Jahr viel weniger kranke Kinder sehen als zuvor, leiden wir keinesfalls an Arbeitsmangel. Organisatorische Aufgaben, Videokonferenzen, Telekonsile, Umsetzung von Präventivkonzepten etc. sind ins Zentrum unserer Alltagsarbeit gerückt und haben unser Tätigkeitsprofil erheblich verändert. Erst im Herbst/Winter 2020/2021 kamen wir dann im Rahmen der stark ansteigenden Inzidenz auch im Bereich der Pädiatrie vermehrt mit „Coronavirus-disease-2019“(COVID-19)-Fällen in Kontakt, zuletzt auch immer wieder mit der hyperinflammatorischen Verlaufsform „pediatric inflammatory multisystem syndrome“ (PIMS) bzw. „multisystem inflammatory syndrome in children“ (MIS-C). Und während für die meisten anderen Erkrankungen in den letzten 12 Monaten kaum bahnbrechende Neuerungen wahrzunehmen waren (Ausnahme: Einführung der Therapie mit Onasemnogen abeparvovec [Zolgensma®] bei spinaler Muskelatrophie), gab es für COVID-19 eine unglaublich rasante Entwicklung der Wissensgewinnung. Binnen eines Jahres wurden über 100.000 neue Publikationen in die medizinisch-wissenschaftliche Datenbank PubMed [1] eingetragen, weitere unzählige Publikationen ohne vorausgehenden Review auf der Plattform medRxiv [2] hochgeladen. Es ist praktisch unmöglich, einen Gesamtüberblick über diese „Infodemie“ zu bewahren. Gleichzeitig führt die mediale Präsenz des Themas „Corona“ dazu, dass auch die breite Bevölkerung gut über COVID-19 informiert ist. Begriffe wie Inzidenz, Reproduktionszahl bzw. R‑Wert, mRNA, britische oder südafrikanische Mutation, Sensitivität, Spezifität und Sequenzierung gehören heute mehr oder weniger zum Allgemeinwissen der meisten Menschen. Fundiertes Wissen über die „neue Krankheit“ COVID-19 ist für Kinderärzt*innen mehr und mehr wichtig In dieser Situation ist es gerade für uns Kinderärzt*innen wichtig, über diese „neue Krankheit“ gut Bescheid zu wissen. Einerseits, um die relativ wenigen Fälle richtig zu diagnostizieren, aber auch um die richtigen therapeutischen und präventiven Maßnahmen zu setzen. Und schließlich auch, um Eltern kompetent Auskunft geben zu können. Wir haben uns daher entschlossen, kurzfristig ein COVID-19-Themenheft einzuschieben und hierin ausgewählte eingereichte Manuskripte zum Thema COVID-19 zusammenzufassen. Die ausgewählten Manuskripte bestehen aus Kasuistiken (je eine aus Deutschland und Österreich), einem Bericht zum „contact tracing“ und der Rolle der Kinder bei der Infektionsverbreitung, einer Beschreibung der Lockdown-Konsequenzen im niedergelassenen Bereich, einer Analyse der Auswirkungen auf den medizinischen Kinderschutz und schließlich einer Umfrage zu Nebenwirkungen des Maskentragens. K. Färber et al. aus Rosenheim berichten über einen 10 Wochen alten Säugling, der mit Sepsisverdacht stationär aufgenommen wird. Die Laborwerte deuten eher auf eine virale Infektion, trotzdem wird dem Alter entsprechend eine antibiotische Therapie eingeleitet. Die Erregerdiagnostik ergibt keinen Hinweis auf eine bakterielle Infektion. Unter Volumensubstitution und Antipyrese bessert sich das Zustandsbild rasch, sodass der Säugling schon nach 3 Tagen entlassen werden kann. Erst Tage später gehen positive Befunde für SARS-CoV‑2 aus Rachenabstrich und Liquor ein, die keine weitere therapeutische Konsequenz haben. Die Autoren verweisen anlässlich ihrer Kasuistik darauf, dass i) bei sepsisartigem Zustandsbild im Säuglingsalter auch an COVID-19 gedacht werden muss, ii) die Inkubationszeit auch mehr als 10 Tage betragen kann, iii) eine Beteiligung des Zentralnervensystem (ZNS) möglich ist und der von ihnen beschriebene Fall die erste derartige Beobachtung in Deutschland darstellt. S. Samueli et al. aus Wien beschreiben in ihrem Beitrag den Krankheitsverlauf eines 9‑jährigen Knaben mit PIMS. Es bestand seit einer Woche hohes Fieber mit fehlendem Ansprechen auf antibiotische Therapie; zusätzlich zeigten sich erythematöse Hautveränderungen, v. a. Palmar- und Plantarerythem. Unter der Annahme des Vorliegens eines Kawasaki-Syndroms erfolgte eine Therapie mit intravenösem Immunglobulin (IVIG) sowie Acetylsalicylsäure (ASS); diese wurde in weiterer Folge um Methylprednisolon erweitert. Trotzdem entwickelte das Kind im weiteren Verlauf eine kardiale Insuffizienz mit arterieller Hypotonie, sodass eine Katecholamingabe erforderlich wurde. Die Diagnose eines PIMS erfolgte schließlich durch den SARS-CoV-2-Antikörper-Nachweis. Der Patient konnte nach 17 Tagen entlassen werden und hatte einen zufriedenstellenden weiteren Verlauf. Die Autoren betonen, dass bei PIMS auch an eine kardiale Beteiligung gedacht sowie Herz- und Kreislaufsituation monitorisiert werden sollen. U. Heudorf aus Frankfurt am Main berichtet über ein Projekt zum „contact tracing“ in Frankfurter Kitas und Schulen. Den Kontaktpersonen von dort aufgetretenen SARS-CoV-2-Fällen wurden im Auftrag des Gesundheitsamtes Nasen-Rachen-Abstriche entnommen, diese wurde mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) in 2 akkreditierten Instituten untersucht. Im Rahmen der Studie wurden zu 274 Indexfällen weitere 7915 Kontaktepersonen getestet. In Kitas waren 4,5 % der Erwachsenenkontaktpersonen und 2,5 % der Kinderkontaktpersonen positiv. Für Schüler*Innen betrug die Rate 0,9 % bei Erwachsenen und 2,5 % bei Kindern. Im Mittel wurde pro Indexfall deutlich weniger als eine Kontaktperson positiv getestet. Die Rate positiver Kontaktpersonen korrelierte mit der Gesamtinzidenz; größere Cluster traten im Beobachtungszeitraum nicht auf. Die Autorin schließt aus ihrer Studie, dass Kinder nicht die „Treiber“ der SARS-CoV-2-Infektion sind und fordert das Offenhalten von Kitas und Schulen. K. Theiß et al. aus Homburg an der Saar beschreiben die Auswirkungen des Lockdowns während der ersten COVID-19-Welle auf 34 kinder- und jugendärztliche Praxen im Saarland. Die Autoren berichten, dass es während des Lockdowns in den Praxen zu einer Reduktion der Gesamtfallzahl um 37 % kam. Die Früherkennungsfallzahl nahm um 9,4 % ab, die Fallzahl der „spezialpädiatrischen“ fachärztlichen Versorgung um 35 %. Die Gesamtfallzahl blieb nach dem Lockdown um 17,1 % unter den Vergleichszahlen aus dem Jahr 2019. Als möglichen Grund dafür nennen die Autoren die allgemeine Reduktion von Infektionserkrankungen durch die COVID-19-Präventionsmaßnahmen. Im Bereich der Früherkennung (+9,4 %) sowie der spezialisierten fachärztlichen Versorgung (+7 %) zeigten sich „Aufholeffekte“, die die Autoren zumindest z. T. auf die Initiative der Kollegenschaft zurückführen. Sie bezeichnen dies als wichtigen Beitrag zur Minimierung von Kollateralschäden. T. Heimann et al. aus Hamburg, Ulm und Luzern stellen in ihrem Beitrag die Frage, ob bzw. in welcher Form die COVID-19-Pandemie und damit assoziierte Lockdowns den Kinderschutz beeinträchtigen. Zu diesem Zweck haben sie die Kinderschutzfälle der Monate März und April 2020 (Lockdown) dem Vergleichszeitraum 2019 gegenübergestellt. Es wurden 365 kinderversorgende Kliniken und Ambulanzen eingeladen, sich an einem Online-Survey zu beteiligen; dieser Aufforderung folgten 159 Institutionen (46 %). Es zeigte sich, dass die Kinderschutzfälle während des Lockdowns im ambulanten Bereich um 15 % niedriger waren; bei den in Kinderschutzgruppen behandelten Fällen kam es zu einem Rückgang um 20 %. Die Autoren schließen nicht dezidiert aus, dass dies einem tatsächlichen Rückgang von Kindesmisshandlung und -missbrauch entspricht, halten dies aber für eher unwahrscheinlich. Die Ursache der niedrigeren Fallzahlen sehen sie eher in einem größeren „Dunkelfeld“, zu dem geschlossene Kitas und Schulen ebenso beitragen können wie eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Kinder- und Jugendwohlfahrt, aber auch nur bedingte Erreichbarkeit medizinischer Institutionen. Sie fordern, dass gerade in einer Krise alle Möglichkeiten des Kinderschutzes ausgeschöpft werden müssen. S. Schwarz et al. aus Witten/Herdecke, Mainz und Tübingen präsentieren Daten aus einem deutschlandweiten Register zur Mund-Nasen-Bedeckung („Maske“). Es handelt sich um eine Online-Erhebung [3], die sich an Eltern, Ärzt*innen, Pädagog*innen, aber auch andere Personen wendet. Bis Oktober 2020 haben dort 20.353 Personen (vorwiegend Eltern) teilgenommen. Es berichten 68 % der Teilnehmenden über die Beobachtung von Nebenwirkungen im Rahmen des Maskentragens, v. a. Gereiztheit (60 %), Kopfschmerzen (53 %), Konzentrationsschwierigkeiten (50 %), weniger Fröhlichkeit (49 %) u. a. Die Autoren konzedieren, dass die Ergebnisse durch bevorzugte Beteiligung maskenkritischer Personen verzerrt sein könnten. Sie betonen aber aufgrund des Symptomenspektrums und der Nutzungshäufigkeit des Surveys auch die Bedeutung der Thematik und fordern randomisierte kontrollierte Studien sowie sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Verordnung von Maskenpflicht. Die starke Polarisierung des Themas Schutzmaßnahmen verpflichtet zu sorgfältiger Nutzen-Schaden-Abwägung Das Thema COVID-19 unterscheidet sich von anderen Erkrankungen dadurch, dass es vielfach sehr stark polarisiert. Dies wohl auch deshalb, weil viele der verordneten Maßnahmen auf keine ausreichende Evidenz verweisen können. Dies trifft v. a. auch auf Schulschließungen und Maskenpflicht [4, 5] zu, weshalb v. a. diese beiden Themen kontrovers und teilweise sogar militant diskutiert werden. Als Kinder- und Jugendärzt*innen ist es unsere Verpflichtung, eine sorgfältige Nutzen-Schaden-Abwägung vorzunehmen und diese auch den politischen Entscheidungsträger*innen nahezubringen. Jedenfalls dürfte uns das „Coronavirus“ wohl noch länger (oder auf immer?) begleiten, und wir werden lernen (müssen), mit diesem Virus (und seinen Mutationen) zu leben. Ob wir damit tatsächlich eine „zweite Grippe“ bzw. eine „neue Influenza“ bekommen [6], wird die Zukunft weisen. Jedenfalls haben wir für 2022 schon ein weiteres COVID-19-Themenheft eingeplant …

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          Verwendung von Masken bei Kindern zur Verhinderung der Infektion mit SARS-CoV-2

          Das Tragen von Masken (Alltagsmaske oder chirurgische Maske) ist neben der Abstandswahrung und Hygienemaßnahmen zu einem wesentlichen Mittel zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie geworden. Sie stellen eine wesentliche Barriere für infektiöse Tröpfchen im Nahfeld dar und können neben dem Fremdschutz möglicherweise auch den Träger schützen. Nach Darstellung möglicher körperlicher oder seelischer Nebenwirkungen bei Erwachsenen werden die wenigen Daten zu unerwünschten Wirkungen bei Kindern referiert. Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind bislang keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt geworden. Allerdings können Masken sehr lästig sein. Die Schlussfolgerung besagt, dass bei gesunden wachen Kindern, die jederzeit in der Lage sind, die Maske selbstständig abzunehmen, unerwünschte Wirkungen nicht zu befürchten sind. Während Kinder etwa ab 10 Jahren mit einer Maske nach altersgemäßer Aufklärung und Demonstration sinnvoll und effektiv umgehen können, sodass das Tragen auch vorgeschrieben werden kann, sollten Grundschüler nicht dazu verpflichtet und Vorschulkinder davon befreit werden. Die Tragedauer sollte begrenzt werden, und Schulkinder, die an ihrem Platz unter Einhaltung des Abstandsgebotes sitzen, sollen die Maske abnehmen dürfen.
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            COVID-19: Masken für Kinder? Eine Einschätzung von UNICEF und WHO

            Originalpublikation [1] World Health Organization (2020) Advice on the use of masks for children in the community in the context of COVID-19. Annex to the Advice on the use of masks in the context of COVID-19. https://www.who.int/publications/i/item/WHO-2019-nCoV-IPC_Masks-Children-2020.1 [2] World Health Organization (2020) Advice on the use of masks in the context of COVID-19. https://www.who.int/publications/i/item/advice-on-the-use-of-masks-in-the-community-during-home-care-and-in-healthcare-settings-in-the-context-of-the-novel-coronavirus-(2019-ncov)-outbreak Hintergrund. Bis Jahresbeginn 2020 wurde wiederholt kommuniziert und publiziert, dass „Masken“ keinen wirksamen Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen bieten bzw. keine wesentliche Rolle für die Transmissionsreduktion spielen. Ab Frühjahr 2020 hat sich diese Sichtweise rasch geändert, sodass jetzt viele Länder unter verschiedenen Bedingungen das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes verbindlich vorschreiben und Verstöße auch mit Strafen belegen. Im Juni 2020 hat die WHO Empfehlungen über die Verwendung von Masken im öffentlichen Raum, im Gesundheitsbereich und in der Heimpflege veröffentlicht ([1] WHO 2020); diese Publikation enthält auch ein eigenes Kapitel für „Entscheidungsträger“. Am 21.08.2020 wurde dazu ein Annex publiziert, der speziell die Situation bei Kindern und Jugendlichen beleuchtet und nun auch für diese Altersgruppe Empfehlungen ausspricht ([2] WHO 2020). Methodik. Die Empfehlungen basieren auf der bisher vorliegenden Literatur zu dieser Thematik. Diese wurde von einem internationalen Expertengremium gesichtet, und in 5 Expertenmeetings wurden die nun vorliegenden Empfehlungen erarbeitet. Dabei konzedieren die Autoren, dass die Evidenz dafür sehr begrenzt ist bzw. teilweise (noch) nicht vorliegt. Empfehlungen. An erster Stelle steht die Empfehlung der sorgfältigen Abwägung von (möglichem) Nutzen und Schaden unter Einbeziehung von Machbarkeit und möglicher Beeinträchtigung, insbesondere auch im Hinblick auf soziale und Kommunikationseinschränkungen. Die Autoren stellen das Prinzip „do no harm“ an oberste Stelle und betonen, dass die Interessen, die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern priorisiert werden müssen. Abgestuft nach Altersgruppen leiten sie folgende Empfehlungen ab: Bis 5 Jahre: Kinder sollen keine Masken tragen. Sollte für diese Altersgruppe doch eine Maskenpflicht verordnet werden, muss diese sehr sorgfältig supervidiert werden, um mögliche Schäden zu vermeiden. Kinder mit kognitiver Einschränkung und respiratorischen Erkrankungen sollten auf keinen Fall Masken tragen. 6 bis 11 Jahre: Risikoadaptiertes Vorgehen. Für diese Altersgruppe sollen Nutzen und Schaden besonders sorgfältig abgewogen werden. Eine solche Abwägung hat u. a. zu berücksichtigen, ob bzw. in welchem Ausmaß Kinder dieses Alters zur Transmission von SARS-CoV‑2 beitragen, aber auch ob bzw. in welchen Ausmaß das Tragen von Masken Lernerfolg und psychosoziale Entwicklung negativ beeinflussen kann. Ab 12 Jahren: Empfehlungen wie für Erwachsene. Spezielle Bedingungen und Situationen (Behinderung, schwere Vorerkrankung, Schulsport etc.) sollen jedoch mitbedacht werden. Für Kinder unter Immunsuppression, mit zystischer Fibrose und Malignomen werden „medizinische Masken“ empfohlen. Die Autoren fordern auch altersentsprechende Kommunikation mit Kindern über Sinn und richtigen Gebrauch sowie Unterstützung bei der richtigen Anwendung. Auch legen sie Wert auf gute Qualität der Masken, die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollten. Kommentar In vielen europäischen Ländern wurde – insbesondere in Schulen – im Rahmen der COVID-19-Pandemie eine Maskenpflicht auch für Kinder ausgesprochen. Dies, obwohl es keine belastbare Evidenz über die Wirksamkeit dieser Maßnahme für die Transmissionseindämmung gibt und mögliche negative Folgen einer solchen Vorgabe (noch) nicht ausreichend evaluiert sind. Wie viele andere Vorschriften hat auch diese zu einer starken Polarisierung der Bevölkerung geführt. Von „Das kann doch wohl kein Problem sein“ bis „Die Maske kann das Leben meines Kindes gefährden“ gibt es unzählige Reaktionen insbesondere von Eltern, v. a. auch in sozialen Medien. Dabei haben sich Einzelberichte über maskenbedingte Todesfälle nicht bestätigt, und auch die vielfach zitierte CO2-Rückatmung dürfte aufgrund des kleinen Ventilationstotraums kein signifikantes Problem darstellen. Tatsächlich gibt es für Kinder bisher kaum systematische Untersuchungen – solche werden aber wohl in naher Zukunft vorliegen. Die Empfehlung der WHO kann bis dahin als „Richtschnur“ gelten. Interessant ist, dass die Forderungen nach guter Maskenqualität, Kostenfreiheit, Schulung und Assistenz bisher kaum erfüllt werden. Bisher bleibt es vielmehr meist den Eltern überlassen, welche Maske ihr Kind trägt und wie diese verwendet wird. Persönlich konnte ich auch beobachten, wie Kinder auf dem Schulweg ihre Masken untereinander getauscht haben – ähnlich wie Panini-Sammelbilder berühmter Fußballer … Es sollte daher vermehrt darauf geachtet werden, dass nicht irgendeine Maske irgendwie getragen wird, sondern dass – wenn verordnet – gute Masken richtig und sinnvoll verwendet werden. Möglicherweise sind dafür eigene Schulungsunterlagen und wiederholte Schulungen erforderlich, z. B. im Rahmen eines speziellen Gesundheitsunterrichtes. Dies kann auch dazu beitragen, mögliche Schäden weitestgehend zu minimieren. Denn an oberster Stelle steht eben die Empfehlung „do no harm“ …
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              COVID-19 – doch mit Influenza vergleichbar?

              Originalpublikation Song X, Delaney M, Shah RK et al (2020) Comparison of clinical features of COVID-19 vs seasonal Influenza A and B in US children. JAMA Netw Open. 3(9):e2020495. 10.1001/jamanetworkopen.2020.20495 Hintergrund. COVID-19 und Influenza werden immer wieder einander gegenübergestellt, u. a. betreffend Infektiosität, Saisonalität und Letalität. Mehrfach gegenübergestellt wurden auch Symptomatik und klinische Präsentationsformen, die für beide Erkrankungen viele Parallelitäten zu haben scheinen. Eine US-amerikanische Kohortenstudie in Washington, DC, verglich nun die bei Kindern auftretenden Symptome dieser beiden Erkrankungen. Methodik. In die retrospektive Studie eingeschlossen wurden 1402 Kinder mit Influenza (Erkrankungsmanifestation zwischen 01.10.2019 und 06.06.2020) und 315 Kinder mit COVID-19 (Erkrankungsmanifestation zwischen 25.03.2020 und 15.05.2020). Für beide Patientengruppen wurden die dokumentierten Symptome erhoben und einander gegenübergestellt. Ergebnisse. Das Durchschnittsalter der Influenzapatienten betrug 3,9 Jahre, jenes der COVID-19-Patienten 8,3 Jahre. Die Hospitalisierungsrate betrug für Influenza 21 %, für COVID-19 lag sie bei 17 %. Auch die Rate Intensivpflichtiger (7 % vs. 6 %) sowie die Beatmungsrate (2 % vs. 3 %) waren in beiden Gruppen vergleichbar. Patienten mit COVID-19 hatten signifikant häufiger Fieber als Patienten mit Influenza. Die relativen Raten für verschiedene Symptome sind in Tab. 1 dargestellt. Influenza COVID-19 Fieber 55 76 Husten 31 48 Luftnot/Kurzatmigkeit 20 31 Erbrechen, Diarrhö 12 26 Körper- bzw. Muskelschmerzen 7 22 Kopfschmerzen 3 11 Brustschmerzen 3 11 Kommentar Obwohl vielfach behauptet wird, dass COVID-19 mit Influenza „nicht vergleichbar“ sei, wird eben dieser Vergleich immer wieder angestellt. Insbesondere was die Letalität betrifft, wurde diese v. a. am Beginn der Pandemie für COVID-19 als „vielfach höher“ bezeichnet. So hat auch der Generalsekretär der WHO (Tedros Adhanom Ghebreyesus) für SARS-CoV‑2 folgende Aussage getätigt: „The virus ist ten times deadlier than influenza“. Diese Einschätzung hat sich zuletzt sehr relativiert, und die Letalität von COVID-19 wird heute um bzw. unter 1 % angenommen. Der Verlauf bei Kindern ist in den allermeisten Fällen harmlos und die Letalität annähernd bei 0 %. Es ist daher ein wenig überraschend, dass in der zitierten Studie zahlreiche Symptome bei COVID-Patienten deutlich häufiger auftreten als bei Influenzapatienten. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass viele SARS-CoV-2-Infektionen gar nicht diagnostiziert wurden, sodass die in der Studie erfassten Patienten eine selektierte Gruppe der „besonders Kranken“ darstellen. Dies korreliert mit unserer Beobachtung, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der SARS-CoV-2-positiv Getesteten an einer Klinik vorgestellt wird. Weiters muss bedacht werden, dass das Alter der COVID-19-Patienten mit durchschnittlich 8,3 Jahren deutlich höher lag als jenes der Influenzapatienten (3,9 Jahre). Es ist gut denkbar, dass ältere (Schul‑)Kinder ihre Symptome (v. a. Schmerzen) deutlicher bzw. öfter verbalisieren als Kleinkinder und dadurch alle Symptome bei COVID-19 häufiger genannt wurden als bei Influenza. Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie ist die Tatsache, dass Influenza und COVID-19 grundsätzlich mit weitgehend identen Symptomen auftreten können, sodass eine verlässliche Diagnosestellung anhand der klinischen Symptomatik praktisch unmöglich ist. Umso wichtiger ist daher die Erregerdiagnostik, bevorzugt mittels PCR-Analytik, die idealerweise gleichzeitig für beide und evtl. andere in Betracht kommende Viren (z. B. RS) durchgeführt wird. Nur dadurch ist es möglich, bezüglich des weiteren Vorgehens (Isolierung, „contact tracing“, behördliche Meldung, Therapie etc.) die richtigen Schritte zu setzen. Ob die zuletzt auf den Markt gekommenen Antigenschnelltests dabei verlässlich unterstützen können, wird man in Kürze wissen.
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                Contributors
                reinhold.kerbl@kages.at
                Fred.Zepp@unimedizin-mainz.de
                Journal
                Monatsschr Kinderheilkd
                Monatsschr Kinderheilkd
                Monatsschrift Kinderheilkunde
                Springer Medizin (Heidelberg )
                0026-9298
                1433-0474
                29 March 2021
                2021
                : 169
                : 4
                : 308-311
                Affiliations
                [1 ]Abteilung für Kinder und Jugendliche, Landeskrankenhaus Hochsteiermark/Leoben, Vordernbergerstr. 42, 8700 Leoben, Österreich
                [2 ]Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz, Deutschland
                Article
                1158
                10.1007/s00112-021-01158-0
                8006509
                © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2021

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